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Stand: 28.08.2015

Pressemitteilung

“So weiß ich, wie ich betroffene Eltern beraten kann“

Tag des offenen Klassenzimmers im Caritas-Förderzentrum St. Laurentius und PaulusMarco Dexler, der mit seiner Frau Nadine (links) ins “Offene Klassenzimmer” gekommen ist, hat im Spiel gegen Levin keinen leichten Stand.Henning Wiechers für den Caritasverband für die Diözese Speyer

„Wer weiß noch, was wir damals gelernt haben?“ Levin, Daria und die anderen Kinder der dritten Klassenstufe der Schule mit dem Förderschwerpunkt motorische Entwicklung Landau melden sich eifrig. Sie erinnern sich sehr gut daran, wie sie im Rechenunterricht mit „der Kraft der Fünf“ gelernt haben, Mengen zu strukturieren, Zahlen zu bündeln und sie sich mit Hilfe des Zahlenstrahls einzuprägen. Nadine und Marco Dexler aus Landau-Mörlheim hören ihnen aufmerksam zu. Ihr siebenjähriger Sohn Pio leidet an dem sehr seltenen Prader-Willi-Syndrom, einer genetisch bedingten motorischen Entwicklungsstörung. Zurzeit besucht er im Caritas-Förderzentrum St. Laurentius und Paulus den Förderkindergarten, im kommenden Schuljahr soll er vielleicht in der Förderschule eingeschult werden. Deswegen haben sich Pios Eltern am Samstag, 16. Februar, am Tag „Offenes Klassenzimmer“, zu einem Besuch im Unterricht angemeldet.

Tag des offenen Klassenzimmers im Caritas-Förderzentrum St. Laurentius und Paulus

„Das ist doch Pipifax“, ruft Levin, als Klassenlehrer Dirk Werber einige Additionsaufgaben stellt. Die Lösungen kommen flott. Ebenso fix können die Kinder erklären, wie sie gerechnet haben. „Es ist wichtig, dass die Kinder den Weg kennen“, erklärt der Klassenlehrer, der die Klasse mit acht Kindern zusammen mit der Fachlehrerin Nadine Fischer unterrichtet.

An dieser Schule geht jedes Kind aufgrund seiner Lebensgeschichte, seiner unterschiedlichen Körperbehinderung und den sich daraus ergebenden Einschränkungen seinen eigenen Weg. So steht es im Qualitätsprogramm, dem sich die Schule verpflichtet hat. Kinder mit einem körperlichen Handicap entwickeln sich unter erschwerten Bedingungen und gehen ihre eigenen Lernwege. Die Schule gibt den Kindern, die in unterschiedlichen Alters- und Entwicklungsstufen zu einer Klasse zusammengefasst werden, die Zeit, die sie brauchen. Die pädagogischen und therapeutischen Fachkräfte bieten viele verschiedene Medien und Methoden an, um für jeden einzelnen Schüler, jede Schülerin die jeweils geeignete individuelle Förderung zu finden.

„Es ist hier sehr schön!“, sagt Pios Vater, nachdem er gerade das Zahlenspiel gegen Levin verloren hat, mit dem Dirk Werber zur Freude der Kinder oft den Unterricht beginnt. Marco Dexler und seine Frau sind davon überzeugt, dass ihr Sohn in dieser Schule mit dem Förderschwerpunkt motorische Entwicklung nach seinen Fähigkeiten optimal gefördert werden könnte.

In den Fluren des Schulhauses gibt es an diesem Samstag kaum Gedränge. Schulleiterin Stephanie Daut, 1. Förderschulkonrektorin Monika Hirschfeld und ihr Kollegium stehen im eigens für diesen Tag eingerichteten Kiosk „San Paolo“ für Informationen zur Verfügung. Das Kiosk hat sonst immer mittwochs geöffnet und wird von den Schülern betrieben. Dass dieses Mal hier nur 28 Besucher und damit knapp die Hälfte weniger als im Vorjahr unterwegs sind, führen sie auf das ungemütliche Wetter und die vielerorts schnee- und eisglatten Straßen zurück. Denn der Einzugsbereich der 1971 gegründeten Förderschule, die einmal im Jahr Eltern von Kindern mit einer körperlichen Beeinträchtigung und Vertreter von Berufsgruppen, die mit Kindern und Jugendlichen mit einem Handicap arbeiten, zum Besuch einlädt, reicht von Landau und Neustadt über den Landkreis Germersheim und den Landkreis Südliche Weinstraße bis in die Verbandsgemeinden Dahner Felsenland und Hauenstein. Von dort werden die Kinder täglich mit dem Bus in die Schule gebracht und wieder nach Hause gefahren.

Tag des offenen Klassenzimmers im Caritas-Förderzentrum St. Laurentius und Paulus

Schulbetrieb ist hier üblicherweise nur von Montag bis Freitag. Für die Erzieherin Annette Buckel, die in der protestantischen Kindertagesstätte „Schützenhof“ arbeitet, ist das „Offene Klassenzimmer“ deshalb eine gute Gelegenheit. „So kann ich mir die Schule und ihre Einrichtungen einmal persönlich anehen, um zu wissen, wie ich betroffene Eltern beraten kann“, sagt sie. In der Turnhalle zeigt Sarah Erny ihrem vierjährigen Sohn Dustin die Bewegungslandschaft mit Sportgeräten, Schaukeln und Matten, die sein siebenjähriger Bruder Jason hier regelmäßig nutzen darf. An Mamas Hand traut sich Dustin auf den Rollwagen und saust vergnügt auf der Rutsche durch die ganze Halle. „War das schnell“, kommentiert er die rasante Fahrt.

Tag des offenen Klassenzimmers im Caritas-Förderzentrum St. Laurentius und PaulusSchülerinnen und Schüler der siebten bis neunten Klasse bereiten in der Lehrküche herzhafte Pfannkuchentorten fürs Mittagessen zu

In der Küche bereiten die Schülerinnen und Schüler der siebten bis neunten Klasse derweil eine Pfannkuchentorte zu. Erol gießt aus einer Kelle Teig in die Pfanne und wartet, bis ein Pfannkuchen knusprig braun ist. Dann dreht er ihn um. Die anderen haben inzwischen eine Tomatensauce zubereitet und Champignons hineingeschnibbelt. Der Spinat, der dazu serviert wird, ist schon fertig. Gegessen wird oben im Klassenzimmer, verrät ihre Lehrerin. Na dann, guten Appetit!

 

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