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Stand: 12.06.2020

Pressemitteilung

„Fliegen, das wäre doch mal was“

Bilderwand mit Vorstellungen der TeilnehmerDie Seminar-TeilnehmerInnen erstellten Collagen, um darzustellen, was ihnen im Leben wichtig ist, und was sie noch erleben wollen.Sibyelle Mehlem / Caritasverband für die Diözese Speyer

Der 73-jährige Helmut Schneider* weiß genau, was er in seinem Leben unbedingt noch machen möchte: "Ich bin noch nie geflogen - das wäre noch mal was".Helmut Schneider ist Teilnehmer des Seminars "Mein Leben bis zum Ende", zu dem Sibylla Mehlem vom Caritas-Förderzentrum St. Laurentius und Paulus Landau eingeladen hat. Mehlem ist verantwortlich für die "Gesundheitliche Versorgungsplanung für die letzte Lebensphase (GVP)". In dem Seminar beschäftigen sich die Teilnehmer mit dem letzten Lebensabschnitt und der Frage, wie sie sterben möchten. 

Die so genannte "Gesundheitliche Versorgungsplanung für die letzte Lebensphase (GVP)" bezahlen die Krankenkassen. Damit soll unterstützt werden, dass das Thema Sterben und Tod auch in der Regelversorgung von alten Menschen und Menschen mit Behinderung seinen Platz findet. Konkret bedeutet das, dass BewohnerInnen des Caritas-Förderzentrums mit Sibylla Mehlem in Einzelgesprächen über ihre Wünsche und Bedürfnisse für ihren letzten Lebensabschnitt bis hin zum Tod sprechen können. Mehlem hat sich dafür weiterqualifiziert zur "Gesprächsbegleiterin in der letzten Lebensphase".

Der Caritasverband für die Diözese Speyer hat beschlossen, GVP in allen Altenzentren und als Pilotprojekt im Förderzentrum in Landau in einer Einrichtung der Behindertenhilfe zu etablieren. Das Seminar war die erste Veranstaltung für möglichen Nutzer dieses Angebots. 

Ein Plakat aus dem WorkshopMit ihren Wünschen und Vorstellungen gestalteten die Teilnehmer Plakate. Sibylle Mehlem / Caritasverband für die Diözese Speyer

"Um über das Sterben reden zu können, muss man zuerst über das Leben reden. Sterben gehört zum Leben und ist nicht getrennt davon zu sehen", erzählt Sibylla Mehlem. "Was bedeutet ein erfülltes Leben? Was möchte ich noch erleben, um am Ende versöhnt dem Sterben zuzustimmen?" Neun TeilnehmerInnen hatten sich für dieses nicht ganz einfache Seminar angemeldet. "Es war spürbar, dass das Thema ,Lebensende‘ spannend, aber auch mit Ängsten und Bedenken behaftet ist", sagt Mehlem. "Ziele, Wünsche und Träume, die ich in meinem Leben noch habe, bevor es zu Ende geht, sind vielleicht noch leicht zu benennen, aber wir ich mir mein Sterben wünsche, das ist nicht ganz so einfach zu beschreiben." 

Mit Alexander Hahn von "LiLi - Leben in Landau inklusiv", einem Projekt zur Verwirklichung von Freizeit-Wünschen von Menschen mit Behinderung, hatte sie den passenden Zweitreferenten mit im Boot. 

Teilnehmer des Seminars Die Seminarteilnehmer hatten sich mit dem Thema "Mein Leben bis zum Ende" auseinandergesetzt. Sibylle Mehlem / Caritasverband für die Diözese Speyer

Helmut Schneider und die anderen acht Seminar-Teilnehmer erstellten Collagen, um sich mit ihren Träumen und Zielen auseinanderzusetzen. Danach versuchten sie, eine vorläufige Lebensbilanz zu ziehen und schauten gute und schlechte Lebensphasen an. "Verknüpft wurde das Ganze am Ende mit der Frage ,Was brauche ich, damit es mir am Ende des Lebens gut geht?‘", erzählt Mehlem.

Im zweiten Teil des Seminars konnten die TeilnehmerInnen den Bestatter Harald Pfister mit Fragen löchern: "Kann man im eigenen Garten beerdigt werden?", "Kommt es vor, dass jemand lebendig begraben wird?" und "Kann bei der Beerdigung jede Musik gespielt werden?" Pfister und seine Kollegin Nicole Hemberger beantworteten ausführlich die mehr als zwanzig Fragen, konkretisierten die Antworten mit Fotos und einer Power-Point Präsentation.

Sibylla Mehlem ist mit dem Verlauf dieses ersten Seminars hochzufrieden: "Die Teilnehmer hatten den Mut sich anzumelden. Es ist ja nicht ganz leicht, sich mit dem Thema zu befassen." Aber: "Der Austausch darüber hat den TeilnehmerInnen gutgetan. Hinterher haben sie gesagt, es war wichtig, darüber zu sprechen und das hat Ihnen Ängste genommen." Mehlem will diese Seminare jetzt häufiger anbieten. 

Text und Foto: Melanie Müller von Klingspor / Sibylle Mehlem


*Name geändert

 

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