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Stand: 28.08.2015

Pressemitteilung

Drei Jahrzehnte Wandel und Entwicklung

Jubiläum Tagesförderstätte und WohnbereicheFühlt sich im Caritas-Förderzentrum St. Laurentius und Paulus wohl: Pim Theppitak zusammen mit einem Mitarbeiter der Einrichtung. Christine Kraus / Caritasverband Speyer

Die Tagesförderstätte des Caritas-Förderzentrums St. Laurentius und Paulus sowie zwei Wohnbereiche für Erwachsene mit Behinderungen feiern am 30. Juni ihr 30-jähriges Bestehen mit einem Gottesdienst und einer internen Feier.  Vieles hat sich in diesen drei Jahrzehnten geändert: der Umgang mit behinderten Menschen, die technischen Möglichkeiten,  die Rahmenbedingungen. Und auch in Zukunft wird sich einiges tun auf dem Gelände des Caritas-Förderzentrums in Queichheim.

"Vor 30 Jahren stand der Fürsorgegedanke mehr im Vordergrund, sowohl bei den Angehörigen als auch bei unseren Mitarbeitern", erzählt Thomas Moser, Leiter des Förderzentrums. "Den Betreuten sollte es gut gehen, sie sollten nicht überfordert werden sondern einfach eine schöne Zeit bei uns haben". Heute seien die Menschen mit Behinderung und ihre Familien bedeutend selbstbewusster, sie würden Therapie und Förderung erwarten und die Mitarbeiter begegnen den Menschen mit Behinderung als "Kunden" auf Augenhöhe.

Die Tagesförderstätte: von der Betreuungsstätte zum Arbeitsplatz für Menschen mit Assistenzbedarf

So hat sich die Tageförderstätte in den letzten Jahrzehnten von einer Betreuungsstätte zu einem Arbeitsplatz für Menschen mit hohem Assistenzbedarf entwickelt. Handwerkliche Tätigkeiten oder Dienstleistungen stehen im Vordergrund, die Besucher der Tagesförderstätte entscheiden selbst, was sie gerne machen möchten. "Es sind erwachsene Menschen und als solche behandeln wir sie und beziehen sie in Entscheidungen mit ein, auch wenn sie vielleicht auf dem Entwicklungsstand eines fünfjährigen Kindes sind ", sagt Vera Eschmann, die Leiterin der Tagesförderstätte. Hilfreich ist da die rasante Entwicklung in der sogenannten "unterstützten Kommunikation" in den letzten zehn bis zwölf Jahren. Eine der fünf Beratungsstellen in Rheinland-Pfalz befindet sich im Haus. Hier wird für Menschen, die nicht sprechen können individuell ein Lösung gefunden, sich mitzuteilen, beispielsweise durch Sprachausgabegeräte und Augenbewegungen.

Auch die Behinderungsbilder der Tagesförderstättenbesucher hat sich geändert: Anfangs waren es größtenteils Menschen mit einer Körperbehinderung oder auch mal mit einem Down Syndrom, heute sind die Besucher körperlich viel stärker eingeschränkt, gleichzeitig geistig behindert und brauchen mehr Assistenz, berichtet Eschmann. Seit 2016 gibt es in der Tagesförderstätte ein spezielles Angebot für Menschen, die erst im Laufe ihres Lebens schwerbehindert wurden, beispielsweise durch ein Schädel-Hirn-Trauma. "Aufgrund ihrer völlig anderen Vorgeschichte fühlen sie sich in Einrichtungen für schwerbehinderte Menschen oder Altentagesstätten nicht wohl", erklärt Eschmann. Angefangen hat die Tagesförderstätte mit 8 Gruppen, nun sind es 13 Gruppen mit je acht Besuchern im Alter zwischen 19 und 76 Jahren. Etwa die Hälfte wohnt auf dem Gelände in Wohnbereichen.

Die Wohnbereiche:  Dezentralisierung und Teilhabe

Jubiläum Tagesförderstätte und Wohnbereiche_Ingo HuthFeiert mit das 30-Jährige Bestehen: Ingo Huth. Christine Kraus / Caritasverband Speyer

Auch Wohnbereiche haben sich in drei Jahrzehnten verändert. Damals wurde unterschieden zwischen einem Wohnheim  für geistige Behinderung und einem für körperliche Behinderung. Aus letzterem ist nun ein Wohnbereich für Erwachsene mit Mehrfachbehinderung (Wohnheim E) geworden. Dieses Wohnheim E startete 1988 mit vier großzügigen Bungalows mit je zwölf Bewohner, die - das war für die damalige Zeit wie Moser erklärt sehr fortschrittlich - überwiegend in Einzelzimmern mit  eigenem Bad untergebracht waren. Anfang der 90er Jahre kam ein Platz für Kurzzeitgäste dazu, der sehr gut nachgefragt sei und hauptsächlich von Besuchern der Tagesstätte genutzt werde. 2016 wurde das Wohnheim um zwei weitere Wohngruppen mit jungen Erwachsenen erweitert.

Heute leben 67 Menschen hier,  rund die Hälfte seit Eröffnung des Wohnheims 1988. Durch das gestiegene Alter und die neu aufgenommenen Menschen mit Mehrfachbehinderung benötigen die Bewohner heute mehr Hilfe wie zu Beginn. "Die Einstellung von immer mehr Pflegefachpersonal ist deshalb erforderlich", sagt Martina Werth, Leiterin des Wohnheims für Erwachsene mit Mehrfachbehinderung. Waren früher mehrere Bewohner an den Wochenenden zu Hause, so sei die Situation heute eher umgekehrt: die Angehörigen sind auch älter geworden, inzwischen kommen sie an den Wochenenden zu Besuch in den Wohnbereich.

Die Dokumentationspflicht hat zugenommen und nimmt mehr Arbeitszeit der Mitarbeiter in Anspruch. Seit 1992 gibt es besondere Freizeitangebote für die Bewohner zusammen mit Freizeitpädagogen. Immer mehr wird auch in Projekten versucht, den Bewohnern der Wohnbereiche Zugang zu normalen Freizeitaktivitäten in Landau zu ermöglichen. Im Moment wird geplant, vorübergehend eine Tagesbetreuung für Senioren in einer Wohngruppe zu etablieren bis der Neubau für die tagesstrukturierenden Angebote steht. Der älteste Bewohner ist 78 Jahre alt.

Ins Wohnheim für Menschen mit geistiger Behinderung (Wohnheim G) zogen 1988 in drei Wohngruppen 35 Erwachsene ein, die in Werkstätten für behinderte Menschen arbeiten. Heute sind es 150. Doch nur ein Fünftel lebt noch auf dem Gelände. 1994 begann die Dezentralisierung, wie Jacqueline Konrad erzählt.

Heute gibt es neun Außenwohngruppen mit unterschiedlichen Konzeptionen im Umkreis von 20 Kilometern. Sie ermöglichen Menschen mit leichter geistiger Behinderung ein selbstständiges Wohnen. "Sie kaufen gemeinsam ein und kochen selbst", erklärt Konrad. Die nächste wichtige Entwicklung war die ambulante  Betreuung, so Konrad. Die Menschen leben in einer eigenen Wohnung und werden stundenweise nach Bedarf betreut. Die Menschen, die noch auf dem Gelände in Queichheim leben, benötigen dagegen deutlich mehr Hilfe, was auch dem steigenden Alter geschuldet ist. Inzwischen sind einige Bewohner in Rente, besuchen keine Werkstätten mehr und benötigen nun im Wohnbereich eine Tagesstrukturierung. Dazu kommt altersbedingt ein höherer Pflegebedarf, für den die bisherige räumliche Ausstattung des Wohnbereichs nicht ausreicht. 2019 soll daher mit einem Neubau begonnen werden. 24 Plätze für Senioren mit "tagesstrukturierenden Angeboten" sollen dort entstehen. 

Fazit nach drei Jahrzehnten

"Insgesamt sind wir in allen Bereichen professioneller geworden", fasst Moser zusammen. Es gebe einen enormen Fortschritt und Qualitätszuwachs. Jetzt müssen sich nur noch die Pflegesätze an die gewachsenen Bedarfe der Menschen mit Behinderung anpassen, damit auch künftig genügend Zeit für deren Bedürfnisse bleibt.

Text und Bilder: Caritasverband für die Diözese Speyer / Christine Kraus

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