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Stand: 28.08.2015

Pressemitteilung

Dankbar für Eindrücke aus dem Alltag in Ruanda

Ruanda02Eindrücke vor Ort: Celia Madl, Thomas Rottmayer und Sonja Thiemann (v. links) konnten auch die Alltagsverhältnisse in Ruanda kennenlernen.Caritasverband Speyer

Drei Wochen im April haben die Physiotherapeutin Celia Madl und der Ergotherapeut Thomas Rottmayer, im Hauptberuf Mitglieder des Kollegiums der Förderschule mit dem Schwerpunkt motorische Entwicklung des Landauer Caritas-Förderzentrums St. Laurentius und Paulus, einem ehrenamtlichen Einsatz in Ruanda gewidmet. Im Team mit einer dritten Fachkraft aus Rheinland-Pfalz, der Heilpädagogin Sonja Tijman haben die beiden Caritas-Mitarbeiter angehende Berufskollegen in dem ostafrikanischen Partnerland des Bundeslandes zu deren Arbeit mit behinderten Kindern beraten und sie in der Praxis begleitet. Tief beeindruckt von Land und Leuten, von der Zugewandtheit und Freundlichkeit der Menschen, von ihrem Engagement und der Flexibilität bei der Bewältigung von Herausforderungen sind sie zurückgekehrt.

Hintergrund des Einsatzes von Madl und Rottmayer ist das Engagement des Landauer Erziehungswissenschaftlichen Fort- und Weiterbildungsinstituts der Evangelischen Kirchen (EFWI) in Ruanda mit Unterstützung des Landes Rheinland-Pfalz und des Vereins Freundeskreis Ruhango Kigoma. Im Rahmen dieses Engagements wird seit 2013 der Aufbau des Fachbereichs Sonderpädagogischer Förderungsbedarf und Inklusive Ausbildung ("Special Needs and Inclusive Education") an der pädagogischen Fakultät der Universität von Ruanda unterstützt.

Ruanda03Tipps für die Praxis: Intensive Arbeits- und Therapieeinheiten waren zu bewältigen.Caritasverband Speyer

Grund für die Einrichtung war die steigende Zahl von Kindern mit unterschiedlichem Förderbedarf durch Behinderungen in ruandischen Schulen und in privaten Initiativen und damit korrespondierend der Bedarf an geschulten Fachkräften. Im Frühling wurde auf dem Campus Rukara im Osten des Landes ein Therapie- und Diagnosezentrum eröffnet. Aufgabe dieses Praxiszentrums ist die Betreuung von Kindern mit unterschiedlichen Behinderungen im Sinne eines Frühförderzentrums, das den Kindern hilft, schulreif zu werden.

Gleichzeitig können die Studierenden hier konkrete praktische Erfahrungen sammeln. Da allerdings förderpädagogische und therapeutische Einrichtungen in Ruanda Neuland sind, suchte das EFWI erfahrene Fachkräfte, die mit Rat und Tat die Ausbildung von drei ruandischen Therapeuten und deren Praxisalltag begleiten könnten. Ermöglicht wurde das Projekt durch eine Unterstützung des Rotary-Clubs Münster-International. Ausgewählt wurden die 49-jährige Physiotherapeutin Madl und der 54-jährigen Ergotherapeuten Rottmayer aus Landau sowie die Heilpädagogin Tijman als Dritte im Bunde.

Ruanda 04Teilten ihre Erfahrungen mit den afrikanischen Kollegen: Die Mitarbeiter aus Deutschland gaben Ideen weiter, wie die Kinder mit Behinderungen gefördert werden können. Caritasverband Speyer

Der Arbeitgeber Caritas habe bereitwillig und unkompliziert den ehrenamtlichen Einsatz der Förderschul-Fachkräfte ermöglicht, berichten Madl und Rottmayer dankbar. Einrichtungsleiter Thomas Moser habe die notwendigen Beurlaubungen in die Wege geleitet. Außerdem wurde die Möglichkeit geschaffen, nicht mehr gebrauchte Hilfsmittel - Rollstuhl und Rollator - aus dem Lager des Förderzentrums nach Afrika mitzunehmen. Schließlich sei jetzt schon geregelt, dass im Oktober für einen weiteren Einsatz in Ruanda Rottmayers Schwester Monika, ebenfalls im Caritas-Förderzentrum angestellte Ergotherapeutin, beurlaubt wird.

So konnten sich Madl und Rottmayer voll auf ihren Einsatz konzentrieren. Und was sie erlebt haben, ist für sie sehr ermutigend, wie sie übereinstimmend berichten. Die ruandischen Kollegen seien offen, interessiert, ja wissbegierig in die gemeinsame Arbeit eingestiegen. "Auch wenn sie wenig Erfahrung in der Therapie mit Kindern haben, sind sie hoch motiviert und bereit, auf neue Ideen einzugehen und sie umzusetzen. Und sie haben uns sehr beeindruckt mit dem, was sie mitbringen, zum Beispiel die Fähigkeiten in Gebärdensprache der Heilpädagogin Beata", berichtet Celia Madl.

Auch die Phantasie und den Erfindergeist, benötigte und vielleicht gerade erst kennengelernte therapeutische Hilfsmittel unter den gegebenen Bedingungen professionell herstellen zu lassen, hebt sie hervor. Thomas Rottmayer fügt an, dass als wichtigste Aufgabe der Südpfälzer lediglich blieb, die ruandischen Partner in ihrer Geduld zu bestärken: "Unsere wichtigste Botschaft an die Kollegen war: Step by step - also Schritt für Schritt  - die Kinder da abholen, wo sie sind. Außerdem: Therapie und Unterricht sollen auch Spaß machen."

Dankbar sind beide auch dafür, den Alltag der Ruander kennengelernt zu haben. Eingetroffen waren sie just zur Gedenkwoche des Genozids, der vor einem Vierteljahrhundert das Land erschüttert hatte. Erlebt haben sie, dass Versöhnung zwischen den einst so verfeindeten Volksgruppen der Tutsi und Hutu - an die Ermordung von nahezu einer Million Tutsi erinnern verschiedene Mahnmale - offensichtlich gelingen kann.

Vom Verstecken behinderter Kinder vor der bürgerlichen Gemeinschaft - was oft als typische Verhaltensweise in nicht nur afrikanischen Gesellschaften kolportiert wird - können sie nur "vom Hörensagen" berichten. Der Wunsch nach offenem Umgang mit Behinderungen und Inklusion sei spürbar und werde mit Engagement verfolgt. Und zwischen Eltern und ihren behinderten Kindern sei ein sehr liebevoller Umgang zu beobachten.

Außerdem berichten Madl und Rottmayer, dass die intensive interdisziplinäre Zusammenarbeit des Teams für sie neue Ressourcen und Synergien erschlossen habe. Ihre Bemühungen, sich in der Landessprache Kinyarwanda zu verständigen (etwa zur Begrüßung; "Muharo" - das bedeutet "Du lebst"), hätte die einheimische Bevölkerung mit Freude aufgenommen und unterstützt, erzählen die Landauer.

Schließlich haben sie auch das Bewusstsein nach Hause mitgenommen, "dass viele für uns gewohnte Lebensbedingungen nicht selbstverständlich sind: fließendes, sauberes Wasser etwa oder ein regendichtes Dach. Umso bewundernswerter, wie die Menschen in Ruanda auch unter sehr einfachen Bedingungen fröhlich wirken, trotz zum Teil schwerer Lebensbedingungen", erklärt Celia Madl.

Dazu gehöre - ebenso eine neue Erfahrung für die Deutschen - dass man Pläne und Terminvereinbarungen immer mal wieder ans Wetter anpassen müsse. "Allgemein lernt man dort, immer wieder zu improvisieren", hatten die Besucher beobachtet.

Mitgebracht haben die beiden Caritas-Mitarbeiter aber auch den Wunsch, eine besondere Hilfe für Mütter, die ihre Kinder in das Therapie- und Diagnosezentrum in Rukara bringen, zu organisieren: Die  Mütter müssten sehr oft weite Wege mit ihren Kindern zurücklegen. Das verursache in den meisten Fällen einen empfindlichen Einkommensausfall für die Familie, da die Mütter ihren Anbau landwirtschaftlicher Produkte zu Hause nicht weiterführen könnten.

Allerdings bestehe die Möglichkeit, vor Ort kunstvolle Handarbeiten herzustellen und zu verkaufen. Und viele der Mütter seien schon in einer Selbsthilfegruppe zusammengeschlossen, um sich gegenseitig zu unterstützen und zu stärken. Zusätzlich ist nun geplant, dass diese Mütter mit finanzieller Hilfe aus Deutschland Unterricht erhalten, um zu erlernen diese heimischen handwerklichen Produkte - wie Topfuntersetzer - herzustellen.

Diese Produkte sollen dann mit Hilfe des Partnerschaftsvereins Ruanda/Rlp und dem Engagement der beiden Therapeuten mit weiteren Freunden und Kollegen (dem Freundeskreis Ressourcecenter) auch in Rheinland-Pfalz verkauft werden.

Spenden sind willkommen

Für den Unterricht und die ersten Schritte, bis das Projekt anläuft, sind Spenden sehr willkommen.

Spendenkonto:
Verein Partnerschaft Rlp/Ruanda
Sparkasse Rhein-Nahe
IBAN: DE92 5605 0180 0017 1131 43

Verwendungszweck: Projekt Selbsthilfegruppe der Mütter behinderter Kinder im Ressource Center, Rukara, Dr. Karangwa

Für Spendenquittung (ab 50 €) bei Verwendungszweck Kontaktdaten angeben.

ANSPRECHPARTNERIN: Celia Madl, E-Mail: freundeskreisressourcecenter@gmail.com

(Falls möglich, bitte bei Spenden den Freundeskreis Ressourcecenter über E-Mail benachrichtigen)


(Henning Wiechers und Waltraud Itschner für den Caritasverband für die Diözese Speyer)  

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