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Stand: 12.06.2020

Pressemitteilung

Dank VICO gut beraten

Das Projekt Vico ist eine große ErleichterungWenn die Anfahrt zur Beratung nicht möglich ist, kann die Videoberatung genutzt werden. Corina Busalt / Caritasverband für die Diözese Speyer

Wer digital unterwegs ist, braucht sich nicht mehr ins Auto zu setzen. Vor allem für Menschen mit Beeinträchtigung ist das eine große Erleichterung. Dies will sich auch die Beratungsstelle für Unterstützte Kommunikation zunutze machen und hat ein neues Projekt auf die Beine gestellt. Sein  Titel lautet Video-Counseling. Übersetzt heißt das Videoberatung. Und abgekürzt: VICO. 

Anlass für das neue Projekt war eine Mutter, die einen Termin in der Beratungsstelle für Unterstützte Kommunikation, kurz BUK, im Caritas-Förderzentrum St. Laurentius und Paulus in Speyer nicht wahrnehmen konnte. "Sie rief mich an und sagte mir, dass ihr Sohn heute sehr aggressiv und selbstgefährdend sei", erinnert sich Claudia Kern, Ergotherapeutin und Kommunikationspädagogin in der BUK. Die Frau wollte ihren Sohn auf keinen Fall ins Auto setzen und sagte den Termin schließlich ab. "Ich dachte mir: Jetzt ein Video-Telefon - das wäre toll!", erinnert sich Kern. Das war im Jahr 2017 und die Initialzündung für VICO.  

Wer zu Claudia Kern in die Beratungsstelle kommt, ist aufgrund einer angeborenen und erworbenen Beeinträchtigung nicht in der Lage, sich seiner Umwelt ausreichend mitzuteilen. Und Claudia Kern hilft ihren Kunden: Sie zeigt ihnen, wie sie mit Hilfe von Gebärden, Zeigetafeln oder elektronischen Hilfsmitteln Kontakt zu ihrer Umwelt aufbauen können. Es ist wichtig, dass sie ihre Kunden und deren Familien regelmäßig sieht. Denn vor allem Eltern von Kindern mit Beeinträchtigungen sind oft verunsichert und haben viele Fragen. 

"Für einige ist der Anfahrtsweg sehr weit, und das stellt dann für meine Kunden ein großes Problem dar", sagt Claudia Kern. Vielleicht ist das Geschwisterkind erkrankt. Oder ein anderer, wichtiger Termin kommt dazwischen. Oder dem beeinträchtigten Kind geht es am Tag des Termins nicht so gut und die Eltern wollen ihm keine lange Autofahrt zumuten. "Viele müssen dann die Termine bei uns in der Beratungsstelle absagen", bedauert Kern. Manchmal haben die Kunden aber nur eine kleine Frage. Beispielsweise, wie sie welche Gebärden einsetzen können. "Dann fahren die Kunden lange Zeit zu mir und die Sache ist innerhalb von Minuten geklärt." 

Deshalb haben Claudia Kern und ihre Kollegin und Diplompsychologin Sabine Mayrhofer in enger Absprache mit dem Einrichtungsleiter Thomas Moser das Projekt VICO entwickelt. Zuerst wurden die PCs für eine Videoberatung ausgestattet. Dann haben Kern und Mayrhofer eine Plattform ausgesucht, die sich für eine Videoberatung eignet und mit der es möglich ist, individuell erstellte Materialien sichtbar zu machen. Außerdem sollte der Chatbereich sicher sein. Die Mitarbeiterinnen der BUK  haben sich mit der Plattform vertraut gemacht und in einer ersten Testphase Kunden per Videoschaltung beraten. 

Und so viel gleich vorab: "Die Beratung über Video soll die normalen Vor-Ort-Termine bei uns nicht ersetzten", sagt Kern. Es sei wichtig, dass sie ihre Kunden und deren Angehörige zuerst persönlich kennengelernt habe und die Diagnostik schon gelaufen sei. "Danach ist es eine super Möglichkeit, mit ihnen Kontakt aufzunehmen", schwärmt Kern. Per Videoschaltung kann sie die Kommunikation mit dem Kind in seiner gewohnten Umgebung beobachten, Ratschläge geben und für den weiteren Fortschritt Material zur Verfügung stellen. Es gibt die Möglichkeit, dass sich weitere Personen in den Chat miteinschalten. Etwa die Oma in Polen oder der Vater auf Geschäftsreise. 

Claudia Kern und Sabine Mayrhofer waren nach einigen ersten Testversuchen begeistert. Nun mussten sie für VICO ein Budget auftreiben. Sie bewarben sich für den Digital-Preis der Caritas, der im November 2019 verliehen wurde, und gingen leider leer aus.  Jurymitglied Professor Dr. Klaus Miesenberger gab dem VICO-Team jedoch ein Feedback mit Anregungen, die Kern und Mayrhofer berücksichtigen wollen. Marianne Metzen, die ehrenamtlich  VICO unterstützt, stellte den Kontakt zur Lipoid-Stiftung her. Die überarbeitete Version wurde der Stiftung zugeschickt  - und  Ende 2019 kam die Zusage.  Die Lipoid-Stiftung wollte das Projekt mit 100.000 Euro unterstützen. Die Beharrlichkeit von Kern und Mayrhofer hatte sich am Ende ausgezahlt. 

Die Lipoid-Stiftung unterstützt hilfsbedürftige Kinder in Deutschland und weltweit. Im Projekt VICO werden derzeit fünf Kinder und deren Familien über Video beraten. Wenn VICO etabliert ist, sollen natürlich weitere hinzukommen. Das können dann auch Erwachsene sein. Und es gibt die Überlegung, die Video-Beratung auch in anderen Fachbereichen der Caritas anzuwenden, etwa im Frühförderzentrum.

Nun muss sich das Projekt bewähren, damit es am Ende auch bezahlt wird. Bis dahin gibt es einige Fragen, die noch geklärt werden müssen. Der Datenschutz ist ein großes Thema. Und es muss sich zeigen, ob Kostenträger bereit sind, die Beratungsgespräche zu übernehmen. Die ersten Reaktionen der Eltern sind jedenfalls positiv. "Wenn wir zwischen den Beratungsterminen eine Video-Beratung machen, dann weiß ich, ob ich die Symboltafeln mit meiner Tochter richtig anwende", sagt eine Mutter. Und - ganz pragmatisch - sagt eine weitere: "Das erspart mir eine halbe Stunde Anfahrt."

Infos

Eingeführt: 2019

So viele profitieren davon: in der laufenden Testphase Fünf Kinder und ihre Familien

Mit folgenden Formen der Behinderung oder psychischen Erkrankung: schwere Sprachentwicklungs- und Kommunikationsstörungen

Betrifft folgende Bereiche:  Pflege, Gesundheit und Kommunikation

Weitere Projektpartner: Kooperierende Fachdienste

Externe Finanzierung durch: Lipoid Stiftung

 

Autorin und Ansprechpartnerin:  Claudia Kern / Co-Autorin: Corina Busalt

 

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